{"id":1510,"date":"2023-01-26T14:25:19","date_gmt":"2023-01-26T14:25:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/?p=1510"},"modified":"2023-02-02T14:26:55","modified_gmt":"2023-02-02T14:26:55","slug":"meine-rede-im-landtag-pruefbericht-der-landesregierung-fuer-ein-niederdeutschgesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/meine-rede-im-landtag-pruefbericht-der-landesregierung-fuer-ein-niederdeutschgesetz\/","title":{"rendered":"Meine Rede im Landtag: Pr\u00fcfbericht der Landesregierung f\u00fcr ein Niederdeutschgesetz"},"content":{"rendered":"<p>Eine Regionalsprache ist gleichzeitig aber mehr als ein Dialekt, denn sie hat eine regionale Identit\u00e4t, die \u00fcber lokale Mundarten hinaus geht und zeigt Ans\u00e4tze einer Standardisierung. Das hei\u00dft, es gibt Grammatiken und W\u00f6rterb\u00fccher und es werden Schulb\u00fccher und Lehrmaterialien entwickelt. Zu Zeiten der Hanse war das Niederdeutsche sogar \u00fcberregionale Verkehrssprache, bis es in dieser Funktion vom Hochdeutschen abgel\u00f6st wurde.<!--more--><--noteaser--><br \/>\n<em>&#8211; Es gilt das gesprochene Wort!<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin, liebe Kolleg*innen, werte G\u00e4ste,<\/p>\n<p>Drei Sprachen fallen in Brandenburg unter die Regional- und Minderheitensprachencharta des Europarats. Sorbisch und Romanes sind klassische Minderheitensprachen, die von zwischenstaatlich anerkannten nationalen Minderheiten gesprochen werden. Das Niederdeutsche hingegen ist eine Regionalsprache. Es gibt also nicht etwa eine niederdeutsche Minderheit, sondern vielmehr eine Sprachgruppe, die regional in Deutschland und den Niederlanden verbreitet ist.<br \/>\nWie meine Vorredner*innen schon ausgef\u00fchrt haben, empfiehlt uns der vorliegende Pr\u00fcfbericht, ein Niederdeutschgesetz zu erarbeiten. Den Auftrag daf\u00fcr hatten wir als Landtag in unserem Beschluss zum Mehrsprachigkeitskonzept erteilt. Ich freue mich sehr, dass wir offenbar gemeinsam zu dem Ergebnis kommen: Ein solches Gesetz ist sinnvoll und machbar. Wenngleich auch nicht so schnell, wie die Opposition es w\u00fcnscht. Ja, fr\u00fcher w\u00e4re besser, allerdings bietet der Prozess die Chance f\u00fcr eine gute Abstimmung mit den Kommunen und eine enge Verzahnung mit dem Mehrsprachigkeitskonzept.<\/p>\n<p>Die kommunalen Spitzenverb\u00e4nde standen einem solchen Gesetz ja auch erst ablehnend gegen\u00fcber. Wir sollten hier die kommunale Selbstverwaltung respektieren. Darum der Vorschlag, dass Kommunen selbst entscheiden k\u00f6nnen, ob sie sich zum Niederdeutschen Sprachgebiet bekennen oder ihre Ortsnamen zweisprachig ausweisen wollen. Angebote in Schulen und Verwaltung setzen voraus, dass wir niederdeutschsprachige Mitarbeiter*innen haben. Das gilt es langsam aufzubauen.<\/p>\n<p>Lassen Sie uns nicht streiten, ob das Gesetz in 7 oder in 11 Monaten vorliegt, lassen Sie uns ein gutes Gesetz erarbeiten. Und vor allem, lassen Sie uns stolz darauf sein, dass Brandenburg damit das erste Bundesland wird, welches ein Niederdeutschgesetz auf den Weg bringt. Das ist nur folgerichtig nach der Aufnahme des Niederdeutschen in unsere Landesverfassung. Zwar gibt es gesetzliche Regelungen in 5 Bundesl\u00e4ndern, allerdings verstreut \u00fcber verschiedene Gesetze.<\/p>\n<p>Der Bericht nennt nun Eckpunkte f\u00fcr ein solches Niederdeutschgesetz. Vieles wurde aufgegriffen, was die Vertreter*innen der Sprachgruppe schon lange an uns herantragen. Darunter sind die Definition des Sprachgebiets, die M\u00f6glichkeit zweisprachiger Ortsnamen und Beschilderungen, die Verankerung des Vereins f\u00fcr Niederdeutsch als Dachverband, die Etablierung eines Beirats f\u00fcr Niederdeutsch, die Erm\u00f6glichung von Bildungsangeboten und vieles mehr.<\/p>\n<p>Nun kritisiert die Opposition, dass ihr das alles nicht verbindlich genug sei und ihr das Engagement des Landes nicht ausreiche. Ja, die F\u00f6rderung und der Erhalt des Niederdeutschen sind Landesaufgabe, aber nat\u00fcrlich auch kommunale Aufgabe, \u00fcberall dort, wo Menschen sich zur Sprachgruppe bekennen. Da wir die Aufgabe ernst nehmen, erarbeiten wir dieses Gesetz.<\/p>\n<p>Aber auch bisher war das Land aktiv. Es hat 2018 eine Vereinbarung mit dem Niederdeutsch-Verein geschlossen und Landesmittel bereitgestellt. So erh\u00e4lt der Verein 50.000 Euro F\u00f6rderung pro Jahr, hinzukommen einzelne Projekte wie die Brandenburger Platt-Fibel, das Material f\u00fcr Pflegeberufe und der Plattdeutsche Kinder-Kreativ-Wettbewerb. Niederdeutsch wird Teil des landesweiten Mehrsprachigkeitskonzepts.<\/p>\n<p>Und dennoch sind mehr Anstrengungen geboten, weil das Niederdeutsche im Unterschied zum Sorbischen weniger stark verbreitet und eben auch gef\u00e4hrdet ist. Dazu werden wir den Katalog von Standards ausweiten, zu denen wir uns in der Sprachencharta verpflichten.<\/p>\n<p>Aktuell gibt es keinen Rahmenlehrplan und somit auch kein Schulfach Niederdeutsch. Denn die Standardisierung und Materialientwicklung ist in allen Bundesl\u00e4ndern noch im Prozess. Mit seinem Projekt f\u00fcr Platt-Unterricht hat der Verein f\u00fcr Niederdeutsch z.B. in Prenzlau und Wittstock aber bereits ein Projekt mit f\u00e4cher\u00fcbergreifendem Unterricht an Grundschulen angesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4ren mehr und schnellere Angebote w\u00fcnschenswert, das k\u00f6nnen wir aber nicht \u00fcbers Knie brechen. Wir sollten Initiativen dort unterst\u00fctzen, wo der Wunsch und Bedarf besteht, insbesondere bei Kindern und Eltern. Ich bin zuversichtlich, dass die Angebote in den n\u00e4chsten Jahren dann auch ausgeweitet werden. Das erreichen wir aber nicht mit Pflichten, sondern mit Erm\u00f6glichung und durch funktionierende Beispiele vor Ort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Regionalsprache ist gleichzeitig aber mehr als ein Dialekt, denn sie hat eine regionale Identit\u00e4t, die \u00fcber lokale Mundarten hinaus geht und zeigt Ans\u00e4tze einer Standardisierung. 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