{"id":1802,"date":"2024-01-25T09:27:24","date_gmt":"2024-01-25T09:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/?p=1802"},"modified":"2024-01-25T09:27:24","modified_gmt":"2024-01-25T09:27:24","slug":"meine-rede-im-landtag-gendern-an-schulen-hochschulen-und-oeffentlichen-verwaltungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/meine-rede-im-landtag-gendern-an-schulen-hochschulen-und-oeffentlichen-verwaltungen\/","title":{"rendered":"Meine Rede im Landtag: Gendern an Schulen, Hochschulen und \u00f6ffentlichen Verwaltungen"},"content":{"rendered":"<p>Rede zu TOP 9: \u201eGerecht statt Gender: Verwirrung beim Sprachgebrauch in<br \/>\nSchulen, Hochschulen und \u00f6ffentlichen Verwaltungen in Brandenburg ein Ende<br \/>\nsetzen &#8211; Korrekten Sprachgebrauch durchsetzen\u201c<br \/>\n99. Plenarsitzung am 24. Januar 2024<br \/>\n<!--more--><!--noteaser--><br \/>\n&#8211; Es gilt das gesprochene Wort!<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin, liebe Abgeordnete, liebe G\u00e4ste,<\/p>\n<p>zun\u00e4chst ein Gest\u00e4ndnis: Ich habe abgeschrieben f\u00fcr diese Rede hier. Und zwar bei meiner Rede von 2021 zu einem ganz \u00e4hnlichen AfD-Antrag. Und zu den Freien W\u00e4hlern: Es ist an Ironie schon nicht mehr zu \u00fcberbieten, hier st\u00e4ndig das Motto \u201eVerbote verbieten\u201c vor sich herzutragen und dann \u2013 siehe da \u2013 ein Verbot zu fordern.<br \/>\nAber nun mal konkret: Darf man Sprache eigentlich verbieten? Das Bundesverfassungsgericht hat 2004 klargestellt, dass Sprache unter das Grundrecht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit f\u00e4llt. Sehr richtig, oder m\u00f6chten Sie tats\u00e4chlich jemandem den Mund verbieten, nur weil Sie es nicht sch\u00f6n finden? Umgekehrt kann man Menschen auch nicht zwingen, auf eine bestimmte Weise zu sprechen. Verbieten k\u00f6nnen sie: strafrechtlich Relevantes, sonst nichts. Ob sie aber Studenten, Student*innen oder Studierende sagen: Ihr Ding. Stattdessen gibt es eine gesellschaftliche Debatte dar\u00fcber, was sinnvoll ist, um Menschen nicht auszugrenzen und sich pr\u00e4zise und unmissverst\u00e4ndlich auszudr\u00fccken. Mit anderen Worten: Wer gendern m\u00f6chte, darf das. Wer nicht, darf das auch. Aber niemand bekommt eine bestimmte Sprechweise vorgeschrieben. Eigentlich ganz einfach.<br \/>\nIhrem Antrag liegt aber der Trugschluss zu Grunde, dass wir nur ein f\u00fcr alle Mal kl\u00e4ren m\u00fcssten, was richtig und was falsch ist. Man kann es aber nicht oft genug sagen: Sprache entwickelt sich weiter. Nicht der Duden legt fest, was richtig ist, sondern die Sprachgemeinschaft, also wir alle. Der Duden beobachtet den Sprachwandel, sortiert \u00dcberholtes aus und nimmt neue W\u00f6rter oder Regeln auf \u2013 je nachdem, was sich durchsetzt. Das Bundesverfassungsgericht hat auch klargestellt, dass lediglich im Bereich der Leistungsbewertung in der Schule eine Regulierung von Sprache zul\u00e4ssig ist. Au\u00dferdem in engen Bereichen der Verwaltung. Daher legt der Duden als Teil des Rechtschreibrats \u2013 also im Einklang mit allen deutschsprachigen L\u00e4ndern \u2013 das amtliche Regelwerk fest.<br \/>\nUnd hier ist mir eine Korrektur besonders wichtig, die eigentlich schon bei unserer letzten Debatte n\u00f6tig gewesen w\u00e4re: Die damalige Bildungsministerin sagte da, dass man &#8220;nichts verbieten m\u00fcsse, was gar nicht erlaubt ist&#8221;. Mit Verlaub, das stimmt so nicht. Und das kann ich Ihnen so genau sagen, weil ich gestern mit der Duden-Chefredaktion telefoniert habe: Sonderzeichen zum Gendern sind nicht verboten. Sie sind schlicht noch nicht geregelt. Aber \u201enicht geregelt\u201c ist etwas ganz anderes als \u201efalsch\u201c. Wenn Sie also die DudenSprachberatung anrufen, bekommen Sie genau diese Info: nicht geregelt, aber auch kein Fehler.<br \/>\nDer Rechtschreibrat sagt dazu, dass das Thema sich in unserer Sprachgemeinschaft noch entwickele und daher noch keine Empfehlung m\u00f6glich sei. Er beobachtet das weiter. Neu ist aber, dass der Rechtschreibrat im Dezember 2023 Sonderzeichen ins amtliche Regelwerk aufgenommen hat, denn vorher tauchten sie da gar nicht auf. Kein Stern, kein Unterstrich, aber auch kein Prozentzeichen, kein Paragraph, kein Hashtag. Dabei w\u00fcrde wohl niemand auf die Idee kommen, ein Prozentzeichen als Fehler anzustreichen. Ich hoffe, der Rechtschreibrat geht bald den n\u00e4chsten Schritt und spricht eine einheitliche Empfehlung f\u00fcrs Gendern aus, einfach um dem Zeichensalat ein Ende zu bereiten. Und wenn Sie die Duden-Sprachberatung um eine Empfehlung f\u00fcr eine Form bitten, die nicht nur M\u00e4nner und Frauen anspricht, weist sie darauf hin, dass der Stern am weitesten verbreitet ist und am geeignetsten scheint. Als Platzhalterzeichen f\u00fcr verschiedene Inhalte passt er gut zur Vielfalt der Geschlechter. Der Doppelpunkt ist missverst\u00e4ndlich, weil er bereits eine feste Bedeutung im Sprachsystem hat und au\u00dferdem auch ein bin\u00e4res Symbol ist. Entstanden als barrierearme Alternative f\u00fcr Vorleseprogramme, hat er seinen Vorteil inzwischen verloren, weil die Programme nachjustiert wurden.<br \/>\nUnd was hei\u00dft das nun f\u00fcr Schulen und Verwaltung, die sich ja am amtlichen Regelwerk orientieren? Der Duden empfiehlt eine Toleranz im Umgang mit diesen Schreibweisen. Lehrkr\u00e4fte k\u00f6nnen Sch\u00fcler*innen darauf hinweisen, dass Genderzeichen momentan noch nicht im amtlichen Regelwerk geregelt sind, sie aber nicht als Fehler anstreichen. Verwaltungen und Hochschulen geben h\u00e4ufig Empfehlungen oder Leitf\u00e4den f\u00fcr ihre Mitarbeitenden heraus.<br \/>\nUm das noch mal klar zu sagen, niemand wird zum Stern gezwungen. Wer einen vermeintlichen Genderzwang herbeifabuliert, gleichzeitig aber Sprachverbote will, der entlarvt sich selbst. Und nein, Sie sind auch nicht die H\u00fcter*innen der sprachlichen Korrektheit, denn Sprache \u00e4ndert sich seit jeher und wir haben mit Duden und Rechtschreibrat bew\u00e4hrte Institutionen, die dies beobachten und dokumentieren. Da sollten wir nicht politisch eingreifen. In Berlin scheiterte ein Vater, der der Schule seiner Kinder das Gendern verbieten wollte, vor Gericht. Das Volksbegehren in Baden-W\u00fcrttemberg wurde gerade als unzul\u00e4ssig eingestuft. Und denken Sie das mal bitte zuende: Wie wollen sie ein Genderverbot durchsetzen? Mikros im Klassenzimmer? Abh\u00f6r- und Geheimdienstmethoden? Geldstrafe oder Gef\u00e4ngnis?<br \/>\nIch glaube, damit ist alles gesagt. Wir lehnen den Antrag ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rede zu TOP 9: \u201eGerecht statt Gender: Verwirrung beim Sprachgebrauch in Schulen, Hochschulen und \u00f6ffentlichen Verwaltungen in Brandenburg ein Ende setzen &#8211; Korrekten Sprachgebrauch durchsetzen\u201c 99. Plenarsitzung am 24. 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