{"id":1860,"date":"2024-06-21T17:28:19","date_gmt":"2024-06-21T17:28:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/?p=1860"},"modified":"2024-06-24T17:30:04","modified_gmt":"2024-06-24T17:30:04","slug":"meine-rede-im-landtag-gleichstellungsbericht-der-landesregierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/meine-rede-im-landtag-gleichstellungsbericht-der-landesregierung\/","title":{"rendered":"Meine Rede im Landtag: Gleichstellungsbericht der Landesregierung"},"content":{"rendered":"<p>eine positive Nachricht dieses Landesgleichstellungsberichts: Erstmals sind die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten in den h\u00f6chsten Entgeltgruppen weiblich. Insgesamt sind es in der Landesverwaltung sogar 54%. Da k\u00f6nnte man also meinen, super, dann ist die Gleichstellung ja erreicht. Aber, wie so oft, zeigt sich das Entscheidende erst, wenn man genauer hinschaut. Nehmen wir die Hochschulen als Beispiel: Ein Frauenanteil von 100% bei den Sekret\u00e4rinnen ist dort nicht ungew\u00f6hnlich. Ist das ein Grund zum Jubeln? Bei den Professuren sind es nur 20-30%. Bilde ich dann den Durchschnitt \u00fcber die gesamte Hochschule, lande ich vielleicht insgesamt bei 50%.<!--more--><!--noteaser--><br \/>\n&#8211; Es gilt das gesprochene Wort!<\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin, liebe Abgeordnete, liebe G\u00e4ste,<\/p>\n<p>eine positive Nachricht dieses Landesgleichstellungsberichts: Erstmals sind die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten in den h\u00f6chsten Entgeltgruppen weiblich. Insgesamt sind es in der Landesverwaltung sogar 54%.<\/p>\n<p>Da k\u00f6nnte man also meinen, super, dann ist die Gleichstellung ja erreicht. Aber, wie so oft, zeigt sich das Entscheidende erst, wenn man genauer hinschaut. Nehmen wir die Hochschulen als Beispiel: Ein Frauenanteil von 100% bei den Sekret\u00e4rinnen ist dort nicht ungew\u00f6hnlich. Ist das ein Grund zum Jubeln? Bei den Professuren sind es nur 20-30%. Bilde ich dann den Durchschnitt \u00fcber die gesamte Hochschule, lande ich vielleicht insgesamt bei 50%.<\/p>\n<p>Und dennoch w\u00fcrden Sie mir wohl alle zustimmen, dass Gleichstellung nicht erreicht ist. Nur bei Frauen gibt es die \u201eleaky pipeline\u201c, das hei\u00dft: je h\u00f6her Einkommen und Verantwortung, desto geringer der Frauenanteil. Sie k\u00f6nnen nun nat\u00fcrlich einwenden, dass M\u00e4nner in Sekretariaten unterrepr\u00e4sentiert sind. Ja, sind sie. Das finde ich auch schade, ich freue mich immer dar\u00fcber, wenn Menschen die T\u00e4tigkeit ergreifen, die ihnen Spa\u00df machen, ohne sich von Geschlechterstereotypen abschrecken zu lassen. Also herzlich willkommen an jeden \u201eSekret\u00e4r\u201c \u2013 das Wort benutzen wir so ja nicht mal \u2013 oder an jeden Erzieher und Krankenpfleger, also an jeden Mann in einem weiblich konnotierten Beruf. Das ist jedoch keine strukturelle Unterrepr\u00e4sentanz, denn in den F\u00fchrungspositionen nimmt der M\u00e4nneranteil zu. Und weiblich dominierte Berufe gehen h\u00e4ufig mit geringen Aufstiegschancen oder geringem Einkommen einher.<\/p>\n<p>Auch in der Landesverwaltung sinkt der Frauenanteil innerhalb der F\u00fchrungspositionen. Bei allen Dienststellen werden nur in 3 von 13 F\u00fchrungsebenen 50% erreicht. Eine gro\u00dfe Diskrepanz gibt es zudem bei Teilzeitbesch\u00e4ftigten: 5 von 6 sind Frauen. Teilzeit ist noch immer ein Grund f\u00fcr Altersarmut und ein Hemmschuh f\u00fcr den Aufstieg. Obwohl das LGG Gleichstellungspl\u00e4ne vorschreibt, haben nur 4 von 5 Dienststellen einen. Und wiederum nur 6 von 10 Pl\u00e4nen formulieren Zielzahlen. Hier gibt es also ein Umsetzungsproblem.<\/p>\n<p>In dieser Wahlperiode gab es keine umfangreiche Novelle des Landesgleichstellungsgesetzes. Aber die \u00c4nderung der Kommunalfassung enthielt ein Artikelgesetz zum LGG, das einen entscheidenden Fortschritt bedeutet: Wir haben endlich einheitliche Rechte f\u00fcr die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten geschaffen und ihre Weisungsfreiheit verankert. Gleichwohl, das Landesgleichstellungsgesetz sollte vom n\u00e4chsten Landtag dringend angepackt werden. Die letzte gr\u00f6\u00dfere \u00c4nderung ist \u00fcber 10 Jahre her. Und da ich diesem hohen Haus in der n\u00e4chsten Wahlperiode nicht mehr angeh\u00f6ren werden, m\u00f6chte ich Ihnen meine Punkte daf\u00fcr gleich mit auf den Weg geben:<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen die Erkenntnisse aus der Corona-Pandemie aufgreifen, die teils einen R\u00fcckfall in traditionelle Rollenmuster bef\u00f6rderte. Wir sollten auf eine geschlechtergerechte Verteilung von Homeoffice und Teilzeitarbeit hinwirken und Teilzeit, Mutterschutz und Elternzeit in F\u00fchrungspositionen st\u00e4rker f\u00f6rdern, bei allen Geschlechtern.<\/p>\n<p>Die Gleichstellungsbeauftragten m\u00fcssen verbindlicher und fr\u00fcher beteiligt werden. Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Justiz und den Richterwahlausschuss. Die Pr\u00e4vention von sexualisierter Bel\u00e4stigung und Gewalt muss einen gr\u00f6\u00dferen Stellenwert erhalten.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt m\u00fcssen wir das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2017 umsetzen und konsequent alle Geschlechter einbeziehen und vor Diskriminierung sch\u00fctzen. Dabei gilt es auch die \u00dcberschneidungen mit anderen Dimensionen wie Alter, Herkunft, Behinderung in den Blick zu nehmen. Der Bericht liefert viele Anregungen f\u00fcr eine hoffentlich baldige Novelle in der n\u00e4chsten Wahlperiode.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>eine positive Nachricht dieses Landesgleichstellungsberichts: Erstmals sind die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten in den h\u00f6chsten Entgeltgruppen weiblich. Insgesamt sind es in der Landesverwaltung sogar 54%. 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