{"id":1879,"date":"2024-09-18T13:15:59","date_gmt":"2024-09-18T13:15:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/?p=1879"},"modified":"2024-09-19T13:20:41","modified_gmt":"2024-09-19T13:20:41","slug":"kleine-anfrage-negative-auswirkungen-des-oderausbaus-auf-den-hochwasserschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/kleine-anfrage-negative-auswirkungen-des-oderausbaus-auf-den-hochwasserschutz\/","title":{"rendered":"Kleine Anfrage: Negative Auswirkungen des Oderausbaus auf den Hochwasserschutz"},"content":{"rendered":"<p>Negative Auswirkungen des Oderausbaus auf den Hochwasserschutz<br \/>\nAktuell beobachten wir ein bedeutendes Hochwasser an der Oder. Bei einem europ\u00e4ischen<br \/>\nFluss, der durch Tschechien, Polen und Deutschland flie\u00dft und mit der Grenzoder sogar<br \/>\n\u00fcber mehrere hundert Kilometer Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen ist, ist eine<br \/>\nenge Abstimmung zwischen den beteiligten Mitgliedsstaaten von N\u00f6ten, um einen effektiven<br \/>\nHochwasserschutz zu gew\u00e4hrleisten.<!--more--><!--noteaser--><br \/>\nNegative Auswirkungen des Oderausbaus auf den Hochwasserschutz<br \/>\nAktuell beobachten wir ein bedeutendes Hochwasser an der Oder. Bei einem europ\u00e4ischen<br \/>\nFluss, der durch Tschechien, Polen und Deutschland flie\u00dft und mit der Grenzoder sogar<br \/>\n\u00fcber mehrere hundert Kilometer Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen ist, ist eine<br \/>\nenge Abstimmung zwischen den beteiligten Mitgliedsstaaten von N\u00f6ten, um einen effektiven<br \/>\nHochwasserschutz zu gew\u00e4hrleisten.<br \/>\nIn Bezug auf die Oder ist hierbei einerseits relevant, welche Ausbauma\u00dfnahmen in fr\u00fcheren<br \/>\nJahren auf polnischem Staatsgebiet bereits stattgefunden haben und Auswirklungen auf<br \/>\nHochwasser in Deutschland haben. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung hat dazu mehr-<br \/>\nmals die Auskunft erteilt, dass Auswirkungen dieser Ma\u00dfnahmen auf Deutschland von pol-<br \/>\nnischer Seite bisher nicht gepr\u00fcft wurden (bspw. f\u00fcr die bestehenden Staustufen im polni-<br \/>\nschen Teil der Oder) und somit nicht in Modellierungen auf deutscher Seite eingeflossen<br \/>\nsind.<br \/>\nAndererseits ist relevant, welche Auswirkungen der Ausbau der Grenzoder hat, welcher in<br \/>\nder Stromregelungskonzeption der Bundesanstalt f\u00fcr Wasserbau konzipiert wurde. Dort<br \/>\nwird eine Erh\u00f6hung der Hochwasserwelle bei einem 100j\u00e4hrigen Hochwasser prognosti-<br \/>\nziert. Diese Erh\u00f6hung erfolgt fast entlang des gesamten Flussverlaufs der Grenzoder mit<br \/>\nSpitzen von 12 bzw. 15 cm in Hohenwutzen und Frankfurt (Oder). Damit gen\u00fcgt das Aus-<br \/>\nbaukonzept zugleich auch nicht den Anforderungen des \u00a7 68 Absatz 3 WHG (Hochwasser-<br \/>\nneutralit\u00e4t). Die Stromregelungskonzeption selbst \u00e4u\u00dfert an zahlreichen Stellen, dass die<br \/>\nHochwasserneutralit\u00e4t nicht (vollst\u00e4ndig) eingehalten w\u00fcrde. Dies ist jedoch bei Umsetzung<br \/>\nder Ma\u00dfnahmen in Deutschland gesetzlich erforderlich. Die Wasser- und Schifffahrtsver-<br \/>\nwaltung begegnet diesem Einwand regelm\u00e4\u00dfig mit dem Verweis darauf, dass Hochwasser-<br \/>\nneutralit\u00e4t erst im Lauf des Planfeststellungsverfahrens nachgewiesen werden m\u00fcsse.<br \/>\nGleichwohl haben Bauarbeiten der polnischen Seite bereits stattgefunden, ohne dass Hoch-<br \/>\nwasserneutralit\u00e4t in Deutschland nachgewiesen wurde.<br \/>\nDer grenz\u00fcberschreitende Hochwasserschutz ist auch im EU-Recht verankert. So f\u00fchrt die<br \/>\nRichtlinie der EU \u00fcber die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken aus<br \/>\n2007 dazu in Kapitel IV Art. 7 Satz 4 aus: &#8222;Im Interesse der Solidarit\u00e4t d\u00fcrfen Hochwasser-<br \/>\nrisikomanagementpl\u00e4ne, die in einem Mitgliedstaat erstellt werden, keine Ma\u00dfnahmen ent-<br \/>\nhalten, die aufgrund ihres Umfangs und ihrer Wirkung das Hochwasserrisiko anderer L\u00e4nder<br \/>\nflussaufw\u00e4rts oder flussabw\u00e4rts im selben Einzugsgebiet oder Teileinzugsgebiet erheblich<br \/>\nerh\u00f6hen, es sei denn, diese Ma\u00dfnahmen wurden koordiniert und es wurde im Rahmen des<br \/>\nArtikels 8 zwischen den betroffenen Mitgliedstaaten eine gemeinsame L\u00f6sung gefunden.&#8220;<br \/>\nUnd weiter &#8222;Stellt ein Mitgliedstaat ein Problem fest, das Auswirkungen auf das Hochwas-<br \/>\nserrisikomanagement f\u00fcr seine Gew\u00e4sser hat, von diesem Mitgliedstaat jedoch nicht gel\u00f6st<br \/>\nwerden kann, so kann er dies der Kommission und jedem anderen betroffenen Mitgliedstaat<br \/>\nmitteilen und Empfehlungen zur L\u00f6sung dieses Problems geben.\u201c Die Kommission reagiert<br \/>\ndann auf jede Mitteilung oder Empfehlung der Mitgliedstaaten innerhalb von sechs Monaten.<br \/>\nIn der Richtlinie ist zudem verankert, dass alle Mitgliedsstaaten Hochwasserrisikomanage-<br \/>\nmentpl\u00e4ne erstellen, ver\u00f6ffentlichen und regelm\u00e4\u00dfig aktualisieren.<br \/>\nIm aktualisierten Brandenburgischen Hochwasserrisikomanagementplan der Oder (2021-<br \/>\n2027) werden die Auswirkungen bereits umgesetzter Ausbauma\u00dfnahmen auf polnischem<br \/>\nStaatsgebiet oder die Auswirkungen der geplanten Ausbauma\u00dfnahmen an der Grenzoder<br \/>\nauf den Hochwasserschutz bisher nicht thematisiert:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/mluk.brandenburg.de\/w\/HWRM2022-27\/Oder\/HWRM-Plan-Oder2021.pdf\">https:\/\/mluk.brandenburg.de\/w\/HWRM2022-27\/Oder\/HWRM-Plan-Oder2021.pdf<\/a><br \/>\nDie Stellungnahme des Deutschen Naturschutzrings zum Hochwasserrisikomanagement-<br \/>\nplan lautete: \u201eDie Auswirkungen auf das Hochwasserrisiko durch Ausbau- und Unterhal-<br \/>\ntungsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Binnenschifffahrt auf der Mittleren Oder, Unteren Oder, Westoder<br \/>\nund im Stettiner Haff bedarf einer differenzierten Analyse, erg\u00e4nzt durch die Darstellung der<br \/>\nBelastungen (z.B. Erh\u00f6hung des Hochwasserscheitels durch Vergr\u00f6\u00dferung von Buhnen<br \/>\nund damit verbundener Reduzierung des Flussquerschnitts) und ihrer Verkn\u00fcpfung zu den<br \/>\nverantwortlichen Verursachern.\u201c Die Antwort der Koordinierten Flussgebietseinheit Oder<br \/>\n(KFGE Oder) best\u00e4tigte dies wie folgt: \u201eAlle Ausbauma\u00dfnahmen entlang der Oder bed\u00fcrfen<br \/>\neiner Analyse hinsichtlich einer m\u00f6glichen Auswirkung auf das Hochwasserrisiko.\u201c (nachzu-<br \/>\nlesen unter:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/mluk.brandenburg.de\/w\/kfge-oder\/Liste-Stellungnahmen-HWRMPlan-und-Umwelt-bericht-deutscher-Teil-IFGE-Oder.pdf\">https:\/\/mluk.brandenburg.de\/w\/kfge-oder\/Liste-Stellungnahmen-HWRMPlan-und-Umwelt-bericht-deutscher-Teil-IFGE-Oder.pdf<\/a>). Auch die Internationale Kommission zum Schutz der<br \/>\nOder (IKSO) antwortete auf die gleichlautende Eingabe des DNR dort entsprechend (nach-<br \/>\nzulesen und http:\/\/mkoo.pl\/show.php?fid=6990&#038;lang=DE).<br \/>\nIch frage die Landesregierung:<br \/>\n1. Wie bewertet die Landesregierung die Aussage der Wasser- und Schifffahrtsverwal-<br \/>\ntung, dass Auswirkungen von Ausbauma\u00dfnahmen auf polnischem Staatsgebiet auf<br \/>\nDeutschland bisher nicht gepr\u00fcft wurden?<br \/>\n2. Wie bewertet die Landesregierung, dass entsprechende Auswirkungen in der Folge<br \/>\nauch nicht in die Berechnungen der Stromregelungskonzeption einflie\u00dfen konnten, die<br \/>\ndem Oderausbau zu Grunde liegt? Wie bewertet sie die Tatsache, dass dennoch mit<br \/>\nden Bauma\u00dfnahmen begonnen wurde?<br \/>\n3. Wie kann eine nachtr\u00e4gliche Bewertung des vermutlich gestiegenen Hochwasserrisi-<br \/>\nkos durch Ausbauma\u00dfnahmen auf polnischer Seite nachgeholt und in die Stromrege-<br \/>\nlungskonzeption eingearbeitet werden? Wer w\u00e4re daf\u00fcr zust\u00e4ndig?<br \/>\n4. Hat Deutschland der EU gem\u00e4\u00df Hochwasserrisikomanagementrichtlinie mitgeteilt,<br \/>\ndass ein grenz\u00fcberschreitendes Problem bei der Oder vorliegt und um diesbez\u00fcgliche<br \/>\nEmpfehlung gebeten? Wenn nein, w\u00e4re das aus Sicht der Landesregierung notwen-<br \/>\ndig?<br \/>\n5. Haben sich seit \u00dcbernahme der Amtsgesch\u00e4fte durch die neue polnische Regierung<br \/>\nim Dezember 2023 \u00c4nderungen in der Zusammenarbeit beim grenz\u00fcberschreitenden<br \/>\nHochwasserrisikomanagement ergeben?<br \/>\nLandtag Brandenburg Drucksache 7\/10223<br \/>\n&#8211; 3 &#8211;<br \/>\n6. Welche Konsequenzen haben sich bisher aus den Antworten der KFGE bzw. IKSO<br \/>\nergeben, dass alle Ausbauma\u00dfnahmen entlang der Oder einer Analyse hinsichtlich<br \/>\nihrer Auswirkungen auf das Hochwasserrisiko bed\u00fcrfen? Ist eine entsprechende Ana-<br \/>\nlyse vorgenommen worden? Wenn nein, wer m\u00fcsste diese Analyse vornehmen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Negative Auswirkungen des Oderausbaus auf den Hochwasserschutz Aktuell beobachten wir ein bedeutendes Hochwasser an der Oder. 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