{"id":195,"date":"2020-01-22T11:45:58","date_gmt":"2020-01-22T11:45:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress?p=195"},"modified":"2020-04-09T08:11:23","modified_gmt":"2020-04-09T08:11:23","slug":"meine-rede-zum-antrag-der-afd-fraktion-bekenntnis-zur-familie-als-eckpfeiler-der-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/meine-rede-zum-antrag-der-afd-fraktion-bekenntnis-zur-familie-als-eckpfeiler-der-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Meine Rede zum Antrag der AfD-Fraktion &#8220;Bekenntnis zur Familie als Eckpfeiler der Gesellschaft&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochene Wort!<\/p>\n<blockquote><p><em>Sehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin, liebe Kolleg*innen, liebe G\u00e4ste<\/em><\/p>\n<p><em>wenn ich den Antrag der AfD-Fraktion so lese, habe ich den Eindruck, sie w\u00fcnschen sich in die Vergangenheit zur\u00fcck. In ihrer Wunschvorstellung besteht eine Familie aus Vater und Mutter, nat\u00fcrlich verheiratet und mehreren Kindern. Der Mann ern\u00e4hrt die Familie, die Mutter ist Hausfrau. Sich scheiden lassen, Kinder allein erziehen: Das sind f\u00fcr sie bedauerliche F\u00e4lle, die eben vorkommen, aber nicht das Wahre sind. W\u00fcnschen Sie sich auch in eine Zeit zur\u00fcck, in der Homosexualit\u00e4t noch verboten war?\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Meine Herren und wenige Damen der AfD: Diese Zeiten sind vorbei, und sie werden auch durch Ihre Antr\u00e4ge nicht wiederkommen. Das wissen Sie im Grunde ja auch. Trotzdem stellen Sie diesen Antrag, der keinerlei Vorschl\u00e4ge f\u00fcr konkrete Ma\u00dfnahmen enth\u00e4lt, sondern der vor allem folgendes ist: Stimmungsmache und ein Nicht-Wahrhaben-Wollen, dass die Gesellschaft sich l\u00e4ngst weiterentwickelt hat.<\/em><\/p>\n<p><em>Stimmungsmache gegen die Vielfalt, die heute Familie ausmacht: Familien mit heterosexuellen Eltern, mit zwei M\u00fcttern, mit zwei V\u00e4tern, mit trans* Menschen, verheiratet, unverheiratet, geschieden, verwitwet, Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Mehrelternfamilien, Pflegefamilien.\u00a0 Letztlich hat es diese Vielfalt schon sehr lange gegeben, aber es war ein weiter Weg, bis sie offen gezeigt werden konnte. Und bis wir eine ann\u00e4hernd gleichberechtigte rechtliche Grundlage f\u00fcr all diese Familienformen hatten. Ann\u00e4hernd \u2013 denn das Abstammungsrecht benachteiligt noch immer Kinder von lesbischen Paaren. Kinder von Alleinerziehenden sind \u00f6konomisch im Hintertreffen und das Ehegattensplitting geht zu Lasten von Familien mit unverheirateten Eltern.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber darum geht es doch beim Thema Familie in erster Linie: Um das Wohl des Kindes. Und die Wertsch\u00e4tzung daf\u00fcr, dass Menschen Sorge-arbeit und Verantwortung \u00fcbernehmen \u2013 egal in welcher Konstellation.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine Geburtenrate unter dem \u201eBestandserhaltungsniveau\u201c bedrohe die Zukunft unseres Landes schreiben Sie in Ihrem Antrag. Wie soll man das verstehen, Fortpflanzung f\u00fcrs Vaterland? Sie blicken auf Frauen als Geb\u00e4rmaschinen, die gef\u00e4lligst einen gesellschaftlichen Auftrag zu erf\u00fcllen habe, nicht als Personen, die individuelle Entscheidungen treffen. Ich muss ihnen nicht sagen, wann in der deutschen Geschichte das schon mal so war. In ihrer Partei, deren Mitglieder zu \u00fcber 80% M\u00e4nner sind, scheint es wohl salonf\u00e4hig, Frauen auf Geb\u00e4rf\u00e4higkeit zu reduzieren und in den Dienst nationalistischer Ideologie zu stellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie sorgen sich auch um die Altersstruktur unseres Landes. Aber wissen sie was? Wenn Menschen l\u00e4nger leben, ist das etwas positives. Auf so etwas reagiert man durch eine Reform unseres Rentensystems und der Pflege, nicht durch den Aufruf sich gef\u00e4lligst mehr fortzupflanzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Sie schreiben au\u00dferdem, Familien bringen mehr Kinder hervor als jedes andere\u00a0Lebensmodell. Wissen Sie, was da drin steckt, dass Sie n\u00e4mlich vielen Menschen, die in diesem Land f\u00fcreinander da sind und Verantwortung \u00fcbernehmen, absprechen sich\u00a0<strong>Familie<\/strong>\u00a0nennen zu d\u00fcrfen. Sagen Sie auch Alice Weidel ins Gesicht, dass sie nicht in einer Familie lebt, sondern nur in einem Lebensmodell? Nicht nur Heterosexuelle und nicht nur Paare k\u00f6nnen Kinder bekommen oder sie adoptieren, falls Ihnen das verborgen geblieben ist.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Und noch ein unsch\u00f6nes Detail aus Ihrem Antrag: Ihre \u201eklassische\u201c Familie werde im besonderen Ma\u00dfe der\u00a0<strong>Natur<\/strong>\u00a0des Menschen gerecht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Moment \u2013 darf ich da noch mal nachhaken?<\/em><\/p>\n<p><em>Andere Familienkonstellationen sind also unnat\u00fcrlich, vielleicht sogar krank? Was genau wollen Sie uns damit sagen? Nun meinen Sie, diese Einw\u00e4nde abtun zu k\u00f6nnen, mit der Behauptung, dass Politik f\u00fcr die Mehrheitsgesellschaft keine Aufgabe des Minderheitenschutzes bedeute. Wenn Sie aber Familien aus heterosexuellen Eheleuten mit Kindern f\u00f6rdern wollen, allenfalls noch Alleinerziehende, dann ist doch im Umkehrschluss klar, wem ihre Unterst\u00fctzung\u00a0<strong>nicht<\/strong>\u00a0gilt. Nicht den unverheirateten Paaren mit Kindern und nicht den lesbischen M\u00fcttern und schwulen V\u00e4tern.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Und wenn Sie dann noch in Frage stellen, dass Kinder in diesen Familien gut aufgehoben sind, kann ich Sie beruhigen: Kinder sind bei gleichgeschlechtlichen Paaren genau so gut aufgehoben, wie bei heterosexuellen Eltern. Was diesen Familien eher das Leben schwer macht, sind gelegentliche Anfeindungen, auch aus der AfD.<\/em><\/p>\n<p><em>Worum es Ihnen aber in letzter Konsequenz geht, offenbart sich in der Begr\u00fcndung Ihres Antrages: Viel zu wenig Neugeborene, das laufe letztendlich auf die\u00a0<strong>Existenzfrage<\/strong>\u00a0unserer Kultur hinaus. Da ist sie \u2013 die Angst, dass wir Deutschen aussterben k\u00f6nnten. Darum muss sie unbedingt angekurbelt werden, die Geburtenrate, sonst droht die feindliche \u00dcbernahme durch Einwandererfamilien. Einige Ihrer Parteikollegen sagen ganz unverhohlen: Umvolkung.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Nur so l\u00e4sst sich f\u00fcr mich auch erkl\u00e4ren, dass unter einem \u00e4hnlichen AfD-Antrag im Bundestag als erster Name ausgerechnet der von Alice Weidel steht, einer offen lesbischen Frau, verpartnert mit einer Frau und gemeinsamen Kindern. Es ist letztlich der Rassismus, der sie eint in der AfD, nicht die Sorge um gute Bedingungen f\u00fcr Familien. Diese Koalition, und ich denke, das gilt letztlich f\u00fcr alle anderen Fraktionen in diesem Haus, ist angetreten, um Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen zu geben, \u00fcber fr\u00fche Hilfen, hohe Qualit\u00e4t in Kitas, die schrittweise kostenfrei werden, bis hin zu guter Bildung, in Ausbildung oder im Studium. Wir wollen Familien st\u00e4rken, mit Beratung, mit Familienzentren, mit wohnortnaher Gesundheitsversorgung und Entlastung bei Pflegef\u00e4llen. Wir wollen Familien individuell nach ihren Bedarfen f\u00f6rdern, und das hei\u00dft eben auch durch besondere Angebote,\u00a0 \u00a0f\u00fcr Alleinerziehende oder Regenbogenfamilien.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit Ihrer r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Stimmungsmache ist dagegen\u00a0<strong>keiner einzigen<\/strong>\u00a0Familie geholfen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/imparlament\/brandenburg\/2020\/22--januar-2020\/07--Sitzung-des-Brandenburger-Landtags\/bekenntnis-zur-familie-als-eckpfeiler-der-gesellschaft.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&gt;&gt; Video zur parlamentarischen Debatte (Quelle: rbb)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gilt das gesprochene Wort! 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