{"id":688,"date":"2021-04-29T12:45:25","date_gmt":"2021-04-29T12:45:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/?p=688"},"modified":"2021-04-29T13:00:45","modified_gmt":"2021-04-29T13:00:45","slug":"meine-rede-zum-antrag-der-koalition-ehrenamtliche-geschichtsarbeit-im-land-brandenburg-staerken-und-unterstuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/meine-rede-zum-antrag-der-koalition-ehrenamtliche-geschichtsarbeit-im-land-brandenburg-staerken-und-unterstuetzen\/","title":{"rendered":"Meine Rede zum Antrag der Koalition &#8222;Ehrenamtliche Geschichtsarbeit im Land Brandenburg st\u00e4rken und unterst\u00fctzen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-691 alignleft\" src=\"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/>Die Einschr\u00e4nkungen der Corona-Zeit haben dazu gef\u00fchrt, dass Menschen sich mehr mit ihrem direkten Umfeld befasst haben. Zuhause und in ihrer Region spazieren waren, geschichtstr\u00e4chtige Orte um die Ecke neu entdeckt haben. Daher passt es irgendwie auch in diese Zeit, dass wir heute \u00fcber die lokale Geschichtsschreibung und -forschung reden. Und auch \u00fcber die ehrenamtliche Denkmalpflege und Gedenkarbeit, wie etwa der Betreuung der Au\u00dfenstandorte von Gedenkst\u00e4tten, die vielerorts noch nicht v\u00f6llig erschlossen sind.<!--more--><!--more--><!--noteaser-->&#8211; Es gilt das gesprochene Wort!<br \/>\nSehr geehrte Frau Pr\u00e4sidentin,<br \/>\nLiebe Kolleg*innen,<br \/>\nWerte G\u00e4ste,<\/p>\n<p>Die Einschr\u00e4nkungen der Corona-Zeit haben dazu gef\u00fchrt, dass Menschen sich mehr mit ihrem direkten Umfeld befasst haben. Zuhause und in ihrer Region spazieren waren, geschichtstr\u00e4chtige Orte um die Ecke neu entdeckt haben. Daher passt es irgendwie auch in diese Zeit, dass wir heute \u00fcber die lokale Geschichtsschreibung und -forschung reden. Und auch \u00fcber die ehrenamtliche Denkmalpflege und Gedenkarbeit, wie etwa der Betreuung der Au\u00dfenstandorte von Gedenkst\u00e4tten, die vielerorts noch nicht v\u00f6llig erschlossen sind.Ohne all die engagierten Menschen w\u00fcrde vieles aus unserem Kulturerbe oder kollektivem Ged\u00e4chtnis in Vergessenheit geraten, verfallen oder gar nicht erst seinen Weg in die \u00d6ffentlichkeit und in die digitale Welt finden.<\/p>\n<p>Wir haben nun schon einiges zum Thema und zum vorliegenden Antrag geh\u00f6rt. Ich will Ihnen an ein paar Beispielen zeigen, was uns ohne die ehrenamtliche Geschichtsarbeit fehlen w\u00fcrde:<br \/>\nIn M\u00e4rkisch Oderland etwa, ganz am Rande des Landes, pflegt der Heimatverein Lebus und der engagierte Ortschronist Manfred Hunger die Erinnerung an das mittelalterliche Bistum Lebus, das heute grenz\u00fcberschreitend w\u00e4re. Es verbindet unsere Geschichte mit der polnischen und schl\u00e4gt somit ganz im Sinne der Landesverfassung eine Br\u00fccke nach Polen und zur Wojewodschaft Lubuskie.<br \/>\nIn Potsdam-Mittelmark, gibt es den kleinen Ort Cammer mit seinem Gutspark, dessen Geschichte man mittlerweile in sechs B\u00fcchern von den Ortschronisten Andreas Koska und Herwig Br\u00e4tz nachlesen kann. Da erkl\u00e4ren sie zum Beispiel das \u201eHirten- oder Herrentuten\u201c. Ein Brauch, bei dem man vor Weihnachten durchs Dorf zieht und mit lautem Getr\u00f6te dem Christkind den Weg auf die Erde weist. Fr\u00fcher war dieser Brauch im ganzen Fl\u00e4ming und bis nach Berlin hinein verbreitet, heute wird er nur noch in Cammer praktiziert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-691 alignleft\" src=\"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2006-05_Slubice_02-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Aber ehrenamtliche Geschichtsarbeit gibt es auch an der Schnittstelle zur Wissenschaft. So gibt es in Frankfurt seit 20 Jahren einen Verein, gegr\u00fcndet von Studierenden und Mitarbeitenden der Viadrina, der sich als Mittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft versteht: das Institut f\u00fcr angewandte Geschichte. Stellen Sie sich dabei jetzt aber kein Institut im herk\u00f6mmlichen Sinne vor, keine ehrw\u00fcrdige Einrichtung, sondern eine Gruppe umtriebiger kreativer Wissenschaftler*innen, die eine Menge spannende Projekte auf die Beine gestellt haben: zur Geschichte des ehemaligen brandenburgischen Gebiets, das seit 1945 zu Polen geh\u00f6rt, zur NS-Herrschaft, zu Zwangsarbeit oder zur j\u00fcdischen Geschichte, die man nur grenz\u00fcbergreifend verstehen kann, im Dialog mit den polnischen Nachbar*innen.<br \/>\nOder eins meiner Lieblingsbeispiele: das alte Kino im heutigen Slubice. Als Slubice noch ein Teil von Frankfurt (Oder) war, stand an der Fassade des Kinos wie an vielen Kinos das Wort \u201ePalast\u201c. Nachdem das Kino dann auf polnischem Staatsgebiet lag, wurde daraus mit nur wenigen \u00c4nderungen an der Fassade das \u201eKino Piast\u201c. Die Piasten, eine mittelalterliche Herrscherdynastie in Polen, boten sich geradezu an f\u00fcr die Polonisierung mit wenigen Federstrichen.<br \/>\nIn den 2000ern wurde das Kino dann geschlossen. Ironie der Geschichte, dass ausgerecht das K und das I von der Fassade abfielen und so blieb vom ehemaligen Kinopalast, dann Kino Piast am Ende nur noch No Piast \u00fcbrig. Was machte das Institut f\u00fcr angewandte Geschichte daraus? No Piast &#8211; das Festival des verlorenen Kinos. Denn inzwischen steht vom Piast nur noch die denkmalgesch\u00fctzte Fassade. Der Kinosaal dahinter ist abgerissen und zum Parkplatz geworden. Anhand der lokalen Kinogeschichte kann man die Teilung der Stadt Frankfurt, die Westverschiebung Polens nach dem 2. Weltkrieg und das schrittweise Verschwinden der Grenze nach 1989 erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das zeigt noch mal &#8211; ehrenamtliche Geschichtsarbeit kann vieles sein: vom Heimatmuseum, \u00fcber die Ortschronik bis zum Forschungsprojekt, vom Filmfestival, \u00fcber die Gedenkst\u00e4tte zum Stadtspaziergang. Ehrenamtliche Geschichtsarbeit zeigt am Beispiel des Mikrokosmos eines Dorfes oder einer Stadt, was Krieg und Frieden, Diktaturen und Demokratie, Unterdr\u00fcckung und Emanzipation, Zuz\u00fcge und Vertreibung im Alltag bedeuteten und wie sie eine Region ver\u00e4ndern.<br \/>\nWir bitten um Zustimmung zu unserem Antrag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>(Foto: Ralf Lotys CC BY)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einschr\u00e4nkungen der Corona-Zeit haben dazu gef\u00fchrt, dass Menschen sich mehr mit ihrem direkten Umfeld befasst haben. Zuhause und in ihrer Region spazieren waren, geschichtstr\u00e4chtige Orte um die Ecke neu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,1],"tags":[],"class_list":["post-688","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-meine_reden","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=688"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":694,"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/688\/revisions\/694"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sahra-damus.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}