Oktober 18, 2023 | Meine Themen

Meine Rede im Landtag: Mehrsprachigkeitskonzept – Bestandsaufnahme und strategische Weiterentwicklung der Sprachenvielfalt im Bildungssystem im Land Brandenburg

– Es gilt das gesprochene Wort!

Herr Vizepräsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer!

Brandenburg hat endlich ein Mehrsprachigkeitskonzept. Das hat durchaus eine ganze Weile gedauert. Das Ziel gab es schon lange. Einige Bundesländer haben das vor uns gemacht, allen voran als erstes das Saarland. Jetzt sind wir aber eines der wenigen Bundesländer, die tatsächlich ein Mehrsprachigkeitskonzept haben. Das ist wunderbar. Barbara Richstein hat es schon angesprochen: Wir haben darüber bereits in den Koalitionsverhandlungen gesprochen; wir Grüne hatten das als Vorschlage eingebracht. Ich bin sehr froh, dass das jetzt Realität geworden ist.

Wir haben im Mehrsprachigkeitskonzept drei Sprachen eine ganz besondere Rolle gegeben, nämlich denjenigen, die auch in unserer Verfassung und in der Europäischen Charta für Regional- oder Minderheitensprachen eine besondere Rolle spielen. Das ist unsere Minderheitensprache Sorbisch/Wendisch, das ist die Regionalsprache Niederdeutsch und wir haben, wie ich gerade schon erwähnt habe, in unserer Verfassung auch den besonderen Auftrag, uns sozusagen um die freundschaftlichen Beziehungen zu Polen zu kümmern. Deswegen spielt auch die Nachbarsprache Polnisch eine wichtige Rolle. Aber wir befassen uns ebenso mit den vielen Herkunftssprachen, die in Brandenburg gesprochen werden, natürlich auch mit Deutsch als Fremdsprache und mit allen anderen schulischen Fremdsprachen.

Es ist gut, das Wissenschaft und Praxis hier eng einbezogen wurden und dass es jetzt den Beirat gibt, in dem die Wissenschaft vertreten ist. Jetzt müssen wir natürlich schauen, wie wir weiter vorankommen, um das Ziel „Muttersprache plus zwei“ in Brandenburg zu erreichen. „Muttersprache plus zwei“: Ehrlicherweise muss man sagen, eine der Sprachen wird in 99 % der Fälle Englisch sein. Ich glaube, wir sind uns auch alle einig, dass das so sein sollte.

Aber was ist dann die zweite Sprache, die in Brandenburg gelernt wird? Da wollen wir versuchen, dass die Nachbarsprache Polnisch, die Minderheitensprache Sorbisch/Wendisch und die Regionalsprache Niederdeutsch eine größere Rolle spielen.

Wir Bündnisgrüne haben durchaus noch Ideen, wie das unterstützt werden kann. Wir können zum Beispiel das Immersionsprinzip stärken, das Eintauchen in die Nachbarsprache, das man schon in Kita und Grundschule praktizieren kann. Die Kinder bekommen dann nämlich keinen Frontalunterricht, sondern mit pädagogischen Kräften in deren Muttersprache sprechen und so die Sprache ganz natürlich lernen.

Wir können uns vorstellen, die Sprachlernreihenfolge umzudrehen, sodass man Polnisch als Nachbarsprache und Begegnungssprache früh lernt und dann ganz normal mit Englisch als Fremdsprache einsteigt.

Auch da müssen wir weiterdenken. Wir wollen auch, dass es in Brandenburg perspektivisch ein Grundschullehramt Polnisch und auch ein Grundschullehramt Sorbisch gibt. Das wird schon auf den Weg gebracht. Und ja, all diese Dinge brauchen Zeit. Die brauchen übrigens nicht nur Geld, liebe Kathrin Dannenberg. Der Lehrkräftemangel erleichtert uns das Ganze natürlich nicht. Deswegen brauchen wir auch ein Stück weit Zeit. Die sollten wir uns jetzt nehmen. Aber jetzt haben wir ein Konzept, wir haben einen Fahrplan. Ich bin sehr froh darüber, und ich bitte um Zustimmung zu der Beschlussempfehlung.

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